Nachdem wir etwas länger als die letzten Tage geschlafen hatten, frühstückten wir gemeinsam mit Lilly und machten uns dann auf den Weg zu der Familie von Rudolfo, Lilly’s Mann. Er war leider zur Zeit Dienstlich unterwegs. Diese lebt außerhalb der Stadt, eher etwas dörflich. Daher fuhren wir auch über eine Stunde mit der Bahn. An der Endhalte Stelle wurden wir dann von Rudolfos Vater mit dem Auto abgeholt und zu Ihnen nach Hause mit genommen.

Erstmal ein komische Gefühl, im Wohnzimmer einer völlig fremden Familie zu stehen, dessen Sprache man nicht spricht. Doch wir wurden sehr herzlich aufgenommen und der jüngere Bruder Rudi fing gleich auf Englisch an mit uns zu quatschen. So verflog die erste Nervosität schnell und gemeinsam mit Lilly und Rudi zogen wir los auf einen Markt.
Dieser findet in dem Ort extra zum Anlass des Dia de Muertos statt und man kann sowohl Dekoration sowie unzählige Köstlichkeiten kaufen.

Als kleines Dankeschön für die Gastfreundschaft kauften wir süßen Kürbis, den man hier als Süßigkeit isst. Lilly besorgte fürs Mittagessen/ Abendbrot noch frische Trotillas und Käse. Die beiden erklärten uns nebenbei viel über die Tradtion des Todenfestes und über typisches mexikanisches Essen. Wir saugten alles Wissen auf und probierten kleine Köstlichkeiten. Am besten war das Eis…

Chili Eis
Für die Feierlichkeiten gibt es extra ein Gebäck, dass traditionell auf jedem Altar liegt und gern von den Menschen gegessen wird. Das süße Brot, mit reichlich Zucker drauf, gibt es in verschieden Größen, Formen und Farben. Dazu gehört es aber definitiv immer.

Viele Haushalte sind übrigens offen – das heißt man kann ins Haus gehen und sich die Altare ansehen. Damit die Toten den Weg zum Haus und zum Altar finden, hängen draußen große Sterne und auf dem Boden Blumenblätter als Wegweiser.


Nachdem wir den Markt unsicher gemacht hatten und viel Dekoration gesehen haben, machten wir uns auf den Rückweg zum Haus der Schwiegereltern von Lilly. In dem Ort waren wir wohl die einzigsten Touristen. Wir wurden oft neugierig angeschaut und immer herzlich begrüßt.

Dann gab es ein spätes Mittagessen, dass Rudolfos Vater zubereitet hatte. Und es schmeckte köstlich. Es gab Tortillas mit Avocado, Salat, Hähnchen, Schweinehaut und Kaktus und eine leckere Suppe. Alex konnte kaum aufhören zu essen 🙈
Gut gestärkt fuhren wir dann nach Mixquic. Dort war ein riesiges Fest, überall gab es etwas zu essen. Massenweise Menschen waren unterwegs und alles war farbenfroh dekoriert. Wir wussten gar nicht wo wir zu erst hin schauen sollten.

Wir gingen die Straßen entlang und entdeckten einen Stand mit gebackenen Insekten. Rudolfos Bruder war gleich hin und weg und wir kauften eine kleine Tüten zum kosten. Was hatten die beiden einen Spaß uns beim Essen unserer ersten Insekten zu beobachten.
Und wie es geschmeckt hat?
Eigentlich nur nach Salz und Limette. Und das alles kross.
Es ist eigentlich mehr die Überwindung sich ein Insekt in den Mund zu stecken. Schlecht
schmecken tut es eigentlich nicht.

Danach sahen wir uns ein traditionelles Maya Ball Spiel an. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an und versuchen einen Ball durch einen Ring zu bekommen, mit den Unterarmen. Es erinnert ein bisschen an Faustball. In Runde zwei brannte der Ball und der Ring sogar und das Publikum war im wahrsten Sinne : Feuer und Flamme!
Übrigens wurde der Gewinner damals nach dem Spiel als Opfergabe für die Götter getötet. Da hätte ich wohl lieber verloren.

Nachdem dieses Spektakel zu Ende war, standen wir erstmal in einer ellenlange Schlange an um den Schauplatz zu verlassen. Das muss man ja sagen: die Mexikaner stehen immer brav an. Ob beim Bus oder bei sowas! 😄

Wir fuhren zurück zum Elternhaus von Rudolfo und holten seinen Vater ab. Denn nun sollte es auf den Friedhof gehen. Im Dorf feiert man nämlich am 1. November die Ankunft der Toten. In vielen anderen Orten wird eher am 2. November der Abschied auf dem Friedhof gefeiert.

Schon auf dem Weg, war die Hölle los. Tausende Menschen waren unterwegs – obwohl es Nachts um 12 war. Überall lief Musik und es gab unzählige Stände mit Essen.

Auf dem Friedhof selbst: das gleiche Bild.
Musik. Menschen über Menschen. Über all brannten Kerzen und teilweise kleine Lagerfeuer vor den Gräbern. Die Menschen versammelten sich. Tranken. Feierten und aßen an und auf den Gräbern. Die ganzen Familie waren dort. Jung und Alt. Alles war geschmückt mit unzähligen bunten Blumen und auch Luftballons und andere Dekoration konnte man sehen. Wahnsinn!

Wir wussten nicht wo wir zuerst hin sehen sollten und es dauerte auch nicht lange, da hatten wirl wieder ein süßes Brot in der Hand. Die Familie nahm uns so lieb auf. Und auch alle anderen waren neugierig auf uns.
Wir waren wohl weit und breit die einzigen Touristen. Und man erkannte uns wohl auch gleich an unseren großen Augen.
Wir fanden einfach alles so spannend.

Und der Gedanke, das die Toten Jahr für Jahr zurück kommen, gefiel uns. Wir dachten wohl
beide an die Lieben Menschen die uns so sehr fehlten… ❤️
Gegen 2 Uhr Nachts verabschiedeten wir. Und die Mexikaner würden noch bis zum Sonnenaufgang auf ihre Lieben warten…

